Cumulative Volume Delta (CVD)
Trading Lexikon
CVD (Cumulative Volume Delta) ist ein Orderflow-Indikator, der die Differenz aus Market-Kaufvolumen und Market-Verkaufsvolumen fortlaufend aufsummiert. Die Kurve zeigt, welcher Aggressor den Markt dominiert: Steigt sie, kaufen aktive Marktteilnehmer aggressiv; fällt sie, verkaufen sie aggressiv. Läuft das CVD gegen den Preis, spricht man von einer Delta-Divergenz: ein Hinweis auf starke passive Gegenkraft.

Wie das CVD berechnet wird
Das CVD berechnet für jede Zeiteinheit das Delta (Market-Buys minus Market-Sells) und summiert diese Werte kumulativ auf. Die resultierende Kurve zeigt, ob über den betrachteten Zeitraum mehr Kauf- oder Verkaufsdruck vorhanden war. Im Chart läuft sie als eigenes Fenster unter dem Preis, als Linie oder in Kerzenform. Wir arbeiten lieber mit der Kerzendarstellung, weil sich Hochs, Tiefs und damit Divergenzen darin leichter ablesen lassen.
Für die Deutung zählt der Verlauf: die Richtung, die Struktur aus Hochs und Tiefs und die Frage, ob das CVD proportional zum Preis mitläuft. Der absolute Wert hängt nur davon ab, ab welchem Zeitpunkt aufsummiert wird.
Delta, Cumulative Delta und CVD: die Abgrenzung
Das Delta ist der Wert einer einzelnen Kerze beziehungsweise Zeiteinheit. Das Cumulative Delta ist die fortlaufende Summe dieser Werte. Cumulative Volume Delta ist die international übliche Bezeichnung derselben Summe. CVD und kumulatives Delta meinen also dasselbe Werkzeug.
| Begriff | Was es misst | Was du daraus liest |
|---|---|---|
| Delta | Market-Käufe minus Market-Verkäufe innerhalb einer Kerze | Wer in genau dieser Kerze aggressiver war |
| Cumulative Delta / CVD | Die aufsummierten Deltas über einen Zeitraum | Welche Seite über Stunden die Kontrolle hatte |
Die häufigste Verwechslung: An einer steigenden CVD-Kurve ändert eine einzelne Kerze mit negativem Delta wenig. Erst wenn sich negative Werte häufen, dreht die Summe.
CVD als Trendbestätigung

Steigt der Preis und steigt das CVD mit, tragen aktive Käufer die Bewegung, und eine Fortsetzung ist wahrscheinlicher. Im fallenden Markt gilt dasselbe spiegelbildlich: Ein fallendes CVD zeigt, dass aggressive Verkäufer den Abverkauf tragen. Laufen Markt und CVD parallel, steht echter Druck hinter der Bewegung.
Steigt der Preis dagegen, während das CVD flach läuft oder fällt, fehlt der Bewegung die Aggression. Das ist dieselbe Logik, die du vom klassischen Volumen Trading kennst: Ein steigender Kurs bei steigendem Volumen zeigt einen gesunden Trend.
CVD-Divergenz als Umkehrsignal

Eine Delta-Divergenz im CVD entsteht, wenn Preis und Kurve in gegensätzliche Richtungen laufen. Bullisch ist sie, wenn der Markt fällt und das CVD steigt: Market-Käufer sind aktiv, werden aber von passiven Verkäufern absorbiert. Bärisch wirkt sie zunächst, wenn der Markt steigt und das CVD fällt: Aktive Verkäufer drücken, kommen aber nicht durch, weil passive Käufer dagegenstehen. Ob daraus eine Umkehr wird oder ein Positionsaufbau der passiven Seite, entscheidet sich an der Zone.
Divergenzen zeigen dir, ob Preisbewegungen durch echte Aggression (Market Orders) getrieben werden oder ob Limit-Orders die eigentliche Kontrolle haben. Aufgelöst wird eine Divergenz auf einem von zwei Wegen: Entweder gleicht sich der Markt dem CVD an, oder das CVD gleicht sich dem Markt an. Welcher Fall eintritt, verrät die Divergenz allein nicht. Deshalb behandeln wir sie als Warnsignal und nutzen sie vor allem, um bestehende Positionen zu managen.
Woran du eine belastbare Divergenz erkennst
Stärke, Location und Geschwindigkeit der Divergenz entscheiden über die Interpretation. Je stärker die Divergenz, desto größer ihre Aussagekraft. Den Beginn liest du an der Struktur der Kurve ab: Läuft der Markt in einem Long-Handelsverlauf weiter nach oben und unterschreitet das CVD dabei seinen vorherigen Wert, hat genau an diesem Punkt die Divergenz begonnen. Ohne Bezug zu einer Struktur bleibt sie eine Beobachtung; Gewicht bekommt sie erst an einer relevanten Zone.
CVD an Unterstützungs- und Widerstandszonen

An Zonen solltest du zwei Fälle unterscheiden.
Die Zone wird verteidigt. Der Markt läuft in eine Volumenkante oder Liquiditätszone, zum Beispiel an die untere Kante im Volume Profile. Die Bewegung wird langsamer, dann noch langsamer. Das CVD stabilisiert sich, läuft seitwärts oder dreht nach oben, weil passive Käufer die Market-Verkäufe aufnehmen. Diese Absorption wird oft von einem positiven Delta-Shift oder einer erkennbaren Verkäuferentschleunigung begleitet. An einem Widerstand gilt das Gleiche mit umgekehrten Vorzeichen.
Die Zone wird gebrochen. Preis und CVD fallen gemeinsam und kräftig durch das Niveau, aggressive Verkäufer sind klar sichtbar. Das CVD gleicht sich dem Markt an und läuft nicht mehr gegen ihn. Dann trägt die Zone nicht, und eine tiefere Korrektur wird wahrscheinlicher.
CVD im Traivend-Ansatz
Bei Traivend ist das CVD ein fester Bestandteil der Distributionsanalyse und des Divergenzsetups. In einer Distributionsphase kann es vorkommen, dass Market-Käufer weiter hineinkaufen und das CVD steigt, während der Markt bereits tiefere Hochs bildet. Das ist ein Hinweis darauf, dass große Marktteilnehmer Positionen abbauen. Im Divergenzsetup wird der Ausgleich einer solchen Divergenz gehandelt, eingeordnet in den Trend, aus dem der Markt kommt.
Wie du das CVD zusammen mit Footprint, Delta und Volumenprofil im Orderflow liest und daraus Entscheidungen ableitest, lernst du Schritt für Schritt in der Orderflow Mastery.
Häufige Fragen zum CVD im Trading
Was ist CVD im Trading?
CVD (Cumulative Volume Delta) ist ein Orderflow-Indikator, der die Differenz aus Market-Kaufvolumen und Market-Verkaufsvolumen fortlaufend aufsummiert. Die Kurve zeigt, welcher Aggressor den Markt dominiert: Steigt sie, kaufen aktive Marktteilnehmer aggressiv; fällt sie, verkaufen sie aggressiv. Läuft das CVD gegen den Preis, spricht man von einer Delta-Divergenz: ein Hinweis auf starke passive Gegenkraft.
Was ist der Unterschied zwischen Delta und CVD?
Das Delta ist die Differenz aus Market-Käufen und Market-Verkäufen in einer einzelnen Kerze. Das CVD addiert diese Einzelwerte fortlaufend über einen Zeitraum. Das Delta zeigt dir also, wer in einem Moment aggressiver war, das CVD, welche Seite über Stunden die Kontrolle hatte.
Ist eine CVD-Divergenz ein Kaufsignal?
Nein. Eine Divergenz ist zunächst ein Warnsignal. Sie zeigt, dass passive Limit-Orders gegen die aktiven Aggressoren stehen, sagt aber nicht, ob sich der Markt dem CVD angleicht oder umgekehrt. Aussagekraft bekommt sie erst an einer relevanten Zone und im Kontext des übergeordneten Trends.
Verwandte Begriffe: Cumulative Delta, Delta, Delta Divergenz, Divergenzsetup
Begriffe verstehen ist erst der Anfang
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