Euro-Bund-Future (FGBL)
Trading Lexikon
Der Euro-Bund-Future (Börsenkürzel FGBL, ISIN DE0009652644) ist ein an der Eurex gehandelter Terminkontrakt auf eine fiktive Bundesanleihe mit 6 Prozent Kupon und einer Restlaufzeit von 8,5 bis 10,5 Jahren. Ein Kontrakt hat einen Nominalwert von 100.000 Euro. Weil er bündelt, welche Zinsentwicklung der Markt für zehnjährige deutsche Staatsanleihen erwartet, gilt er als Zinsbarometer der Eurozone.
Wie funktioniert der Euro-Bund-Future?
Der Kurs notiert in Prozent vom Nominalwert. Die kleinste Preisveränderung beträgt 0,01 Prozentpunkte und entspricht 10 Euro je Kontrakt. Handelbar sind immer die drei nächsten Quartalsmonate aus dem Zyklus März, Juni, September und Dezember; die längste Laufzeit liegt damit bei knapp neun Monaten.
- Basiswert: fiktive Bundesanleihe, 6 Prozent Kupon, 10 Jahre Restlaufzeit
- Nominalwert: 100.000 Euro je Kontrakt
- Tick: 0,01 Prozent, entspricht 10 Euro
- Liefermonate: März, Juni, September, Dezember
- Liefertag: zehnter Kalendertag des Liefermonats
- Letzter Handelstag: zwei Börsentage vor dem Liefertag, Handelsschluss 12:30 Uhr MEZ
Anders als bei Index-Futures steht am Ende eine echte physische Lieferung. Der Verkäufer darf aus einem Korb lieferbarer Staatsanleihen mit 8,5 bis 10,5 Jahren Restlaufzeit wählen. Ein Konvertierungsfaktor rechnet die tatsächlich existierende Anleihe auf die fiktive Sechs-Prozent-Anleihe um, damit beide dieselbe Rendite ergeben. In der Praxis liefert der Verkäufer die für ihn günstigste Variante, die Cheapest-to-Deliver. Für Daytrader bleibt das Theorie: Wer vor dem letzten Handelstag glattstellt, kommt mit der Lieferung nie in Berührung.
Warum der Kurs an den Zinsen hängt
Anleihekurs und Rendite bewegen sich gegenläufig, und der Bund-Future bildet genau diesen Zusammenhang ab. Erwartet der Markt fallende Zinsen, steigt der Kurs. Erwartet er steigende Zinsen, fällt er. Wer den Kontrakt verkauft, positioniert sich also auf höhere Zinsen. Typische Auslöser dafür sind anziehende Inflation, eine robustere Konjunktur, ein höherer Kapitalbedarf des Bundes oder eine restriktivere Geldpolitik der Notenbanken.
Als Anker dient der Kupon von 6 Prozent. Läge die erwartete Rendite über zehn Jahre bei genau 6 Prozent, ergäbe sich rechnerisch ein Kurs von 100 Punkten. Jeder Kurs darüber entspricht einer niedrigeren erwarteten Rendite, jeder Kurs darunter einer höheren. Genau deshalb lesen Marktteilnehmer am Bund-Future ab, was der Markt der Zinspolitik der kommenden Jahre zutraut.
Bedeutung im Trading
Der FGBL ist einer der meistgehandelten Zins-Futures Europas. Genutzt wird er vor allem von Banken, Fonds und Versicherern, um Anleihebestände gegen Zinsänderungen abzusichern. Für private Daytrader ist er ein Nebenschauplatz. Wir bei Traivend arbeiten im Kern mit ES und NQ, weil dort Liquidität und Auktionsqualität über den Handelstag hinweg stabiler sind. Der Bund-Future taucht in unserer Ausbildung als europäischer Eurex-Kontrakt neben dem FDAX auf, also als Marktverständnis, nicht als Standardmarkt.
Wer ihn dennoch handelt, sollte zwei Punkte im Blick behalten. Erstens den Hebel: Ein Kontrakt bewegt 100.000 Euro Nominalwert, hinterlegt wird davon nur eine Sicherheitsleistung. Kleine Kursbewegungen wirken dadurch überproportional auf das Konto, in beide Richtungen. Zweitens den Kontraktwechsel: In der Rollover-Woche verschiebt sich die Liquidität in den neuen Kontrakt, Orderflow und Heatmap werden in dieser Phase unzuverlässig. Diese Tage lässt man besser aus.
Verwandte Begriffe: Futures, Futures-Kontrakt, Futures-Margin, Hedging-Strategie, Orderflow
Begriffe verstehen ist erst der Anfang
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