Jeder Trader erlebt Phasen, in denen das Konto vom letzten Hoch nach unten läuft. Beim Drawdown Trading geht es deshalb um eine handwerkliche Frage: Wie tief darf dieser Rücksetzer werden, bevor er dein Konto oder deine Disziplin kostet? Am Anfang wirst du Geld verlieren, und auch später kommen Verlustwochen. Entscheidend ist, ob du sie mit festen Grenzen durchläufst oder improvisierst.

Die reine Begriffserklärung findest du in unserem Lexikoneintrag zum Drawdown. In diesem Artikel geht es um die Praxis: wie du ein Daily Loss Limit aus deinem maximalen Drawdown ableitest, worin sich Trailing und End-of-Day-Drawdown bei Fremdkapital-Konten unterscheiden, warum ein Minus von 50 % ein Plus von 100 % verlangt und was wir in einer Verlustserie konkret tun.
Drawdown im Trading kurz erklärt
Ein Drawdown misst den Rückgang von einem bisherigen Höchststand bis zum folgenden Tiefpunkt, im Trading meist bezogen auf den Kontostand oder die kumulierte Performance einer Strategie. Die englischsprachige Wikipedia beschreibt den maximalen Drawdown als den schlechtesten Rückgang von Hoch zu Tief seit Beginn der Aufzeichnung. Zu jedem Drawdown gehört außerdem eine Dauer: die Zeit, bis das Konto wieder ein neues Hoch erreicht.
Für die Praxis sind diese beiden Größen gleich wichtig. Die Tiefe entscheidet, ob dein Konto überlebt. Die Dauer entscheidet, ob du überlebst, denn wochenlang unter dem letzten Hoch zu handeln zermürbt auch Trader mit einem funktionierenden System. Genau auf beide Größen richten wir die Regeln in den folgenden Abschnitten aus.
Maximaler, täglicher und Trailing Drawdown

Sobald du mit Fremdkapital handelst, ist der Drawdown kein Rückblick auf deine Statistik mehr. Er wird zur Regel mit harter Konsequenz. Prop-Firmen vergeben Kapital laut Wikipedia unter festgelegten Risikoregeln mit Positionslimits, maximalen Drawdowns und Verlustschwellen und prüfen Trader vorab über Demo- oder Live-Konten. Wer eine dieser Grenzen berührt, verliert in der Regel das Konto. Drei Formen solltest du sauber auseinanderhalten.
Maximaler Drawdown
Der maximale Drawdown ist der Gesamtverlust, den ein Konto verkraften darf, bevor es geschlossen wird. Bei einem Fremdkapital-Konto mit 50.000 Dollar liegt er in den Beispielen aus unserer Ausbildung bei 2.000 bis 2.500 Dollar. Fällt der Kontostand auf diese Grenze, ist das Konto weg. Für dich heißt das: Dein eigentliches Risikokapital beträgt 2.500 Dollar, auch wenn auf dem Bildschirm 50.000 stehen.
Täglicher Drawdown (Daily Loss Limit)
Das Daily Loss Limit begrenzt den Verlust pro Handelstag. Manche Anbieter geben es vor, auf einem eigenen Konto setzt du es selbst. Wir halten es für jedes Konto für Pflicht, egal ob Eigen- oder Fremdkapital. Es schützt dich vor dem einen Tag, an dem Emotionen übernehmen, und ebenso vor technischen Pannen wie einem ausgefallenen Datenfeed oder einer vergessenen Order.
Trailing Drawdown und End-of-Day-Drawdown
Beim Trailing Drawdown wandert die Verlustgrenze mit deinem Kontohöchststand nach oben. Entscheidend ist, wann sie nachgezogen wird. Beim Live-Trailing zieht die Grenze mit jedem Tick mit, also auch während ein Trade offen ist. Beim End-of-Day-Drawdown wird erst nach Handelsschluss geprüft, welches Plus du gemacht hast, und erst dann rückt die Grenze nach.
Ein Rechenbeispiel zeigt den Unterschied: Dein 50k-Konto hat einen Drawdown von 2.500 Dollar, die Grenze liegt also bei 47.500 Dollar. Ein Trade läuft 1.000 Dollar ins Plus, kommt zurück, und du schließt ihn bei Break-even. Beim Live-Trailing ist die Grenze während des Trades auf 48.500 Dollar gestiegen, dein Puffer beträgt danach nur noch 1.500 Dollar, obwohl du nichts verloren hast. Beim End-of-Day-Drawdown bleibt die Grenze bei 47.500 Dollar, weil der Tag bei null endet.
In der Ausbildung bezeichnen wir den End-of-Day-Drawdown deshalb als die angenehmste Variante: Du kannst Trades laufen lassen, ohne dass jeder Zwischengewinn deinen Puffer auffrisst. Beim Live-Trailing musst du Gewinner deutlich enger managen. Der Begriff hat übrigens nichts mit dem Trailing Stop zu tun, den du selbst an deine Position hängst. Die genauen Regeln unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter, also prüfe sie vor dem ersten Trade direkt in den Bedingungen. Welche Punkte wir bei einem Anbieter zusätzlich prüfen, steht in unserem Beitrag Welche Prop-Firma ist seriös?, die Grundlagen im Artikel zum Fremdkapital Trading.
Warum 50 % Verlust 100 % Gewinn verlangen

Verluste und Gewinne wirken auf dein Konto asymmetrisch. Ein Konto mit 10.000 Euro, das 50 % verliert, steht bei 5.000 Euro. Um wieder 10.000 Euro zu erreichen, musst du diese 5.000 Euro verdoppeln. Allgemein gilt: Der nötige Gewinn entspricht dem Verlust geteilt durch das, was vom Konto übrig ist.
- Nach 10 % Drawdown brauchst du 11,1 % Gewinn.
- Nach 20 % Drawdown brauchst du 25 % Gewinn.
- Nach 30 % Drawdown brauchst du 42,9 % Gewinn.
- Nach 50 % Drawdown brauchst du 100 % Gewinn.
- Nach 75 % Drawdown brauchst du 300 % Gewinn.
Bis etwa 20 % ist der Weg zurück überschaubar. Danach wird er steil, und genau dort beginnt die gefährliche Psychologie. Die Mathematik des Glücksspiels kennt dafür den Ruin des Spielers: den Verlust des letzten Kapitals, mit dem man noch weiterspielen könnte. Wikipedia nennt als zweite Bedeutung die letzte, sehr hohe Wette, mit der ein Spieler alle bisherigen Verluste zurückgewinnen will. Im Trading heißt dieses Muster Revenge-Trade.
Deshalb lautet unser Grundsatz Kapitalerhalt vor Kapitalaufbau. Wir stellen die Frage, wie klein du deine Verluste halten kannst, bevor wir über mögliche Gewinne reden. Ein Tag sollte nie den Gewinn einer ganzen Woche kosten.
Daily Loss Limit berechnen: das 50k-Beispiel

Das Daily Loss Limit leiten wir direkt aus dem maximalen Drawdown ab. Die Formel ist einfach: maximaler Drawdown geteilt durch die Anzahl Handelstage, die du in Folge komplett verlieren können willst, bevor das Konto weg ist. Wir rechnen mit fünf Tagen. Fünf Handelstage hintereinander mit vollem Tagesverlust sind selten, und wer sie trotzdem erlebt, hat danach ohnehin ein Thema, das mit Analyse zu tun hat.
Für ein 50k-Fremdkapital-Konto ergibt das:
- Maximaler Drawdown 2.500 Dollar, geteilt durch 5 Tage: 500 Dollar Daily Loss Limit.
- Maximaler Drawdown 2.000 Dollar, geteilt durch 5 Tage: 400 Dollar Daily Loss Limit.
- Weniger konservativ mit vier Tagen bei 2.500 Dollar: 625 Dollar Daily Loss Limit.
Die absolute Obergrenze liegt bei der Hälfte des maximalen Drawdowns, im Beispiel also bei 1.250 Dollar. Darüber reichen zwei schlechte Tage, um das Konto zu verlieren. Rechne die Gegenprobe immer mit: Wer zehn Tage am Stück sein Daily Loss Limit reißt, verliert je nach Einstellung die Hälfte oder fast das ganze Konto. Und prüfe ehrlich anhand deines Trading-Journals, wie deine Ergebnisse mit doppelt so hohen Verlustgrenzen ausgesehen hätten und ob du mit diesen Drawdowns klargekommen wärst.
Das Limit technisch erzwingen
Ein Daily Loss Limit im Kopf reicht nicht, wenn der Tag emotional wird. Viele Handelsplattformen erlauben es, das Limit in den Risikoparametern des Kontos zu hinterlegen und Positionen bei Erreichen automatisch zu schließen. Alternativ lässt du es vom Support deines Brokers einstellen. Der Vorteil dieser Variante: Du kannst es danach selbst nicht mehr ändern, Anpassungen laufen nur über den Support und können bis zu 24 Stunden dauern. Genau diese Hürde schützt dich an dem Tag, an dem du das Limit am liebsten verschieben würdest.
Vom Drawdown zur Positionsgröße
Das Daily Loss Limit begrenzt den Tag. Die Positionsgröße begrenzt den einzelnen Trade. Bei Fremdkapital rechnen wir sie ebenfalls vom Drawdown aus: Er soll so bemessen sein, dass du etwa 20 Verlusttrades in Folge überstehst. Bei 2.500 Dollar Drawdown sind das 125 Dollar Risiko pro Trade. Auf einem Eigenkapital-Konto liegt die Faustformel bei ungefähr 1 bis 2 % des Kapitals pro Trade. Wichtiger als der exakte Prozentwert ist, dass du ihn konstant einhältst.
Ein durchgerechnetes Beispiel mit dem Micro-Kontrakt auf den Nasdaq-100 (MNQ): Laut CME Group entspricht ein Kontrakt dem Zweifachen des Indexstands bei einer Mindestschwankung von 0,25 Indexpunkten. Ein Tick ist damit 0,50 Dollar wert.
- Dein Setup verlangt einen Stop-Loss von 60 Ticks, weil das Setup erst dort ungültig ist.
- Risiko pro Micro-Kontrakt: 60 Ticks mal 0,50 Dollar ergibt 30 Dollar.
- Erlaubtes Risiko pro Trade: 125 Dollar. Geteilt durch 30 Dollar ergibt das 4 Micro-Kontrakte mit 120 Dollar Risiko.
- Bei einem Daily Loss Limit von 500 Dollar ist der Tag nach vier vollen Stopps beendet.
Die Reihenfolge ist dabei entscheidend. Der Stop-Loss ergibt sich aus dem Markt, die Positionsgröße passt du daran an. Wird der nötige Stop wegen höherer Volatilität größer, sinkt die Kontraktzahl. Passt selbst ein einzelner Micro-Kontrakt nicht mehr ins Risiko, lässt du den Trade aus. Einen gesetzten Stop-Loss verschiebst du ausschließlich in Richtung Einstieg. Mehr zum Verhältnis von Stop und Ziel findest du beim Chance-Risiko-Verhältnis, den gesamten Rahmen in unserem Leitfaden Risikomanagement im Trading.
Verlustserien: was wir im Drawdown tun

Ein Drawdown entsteht selten durch einen einzigen Trade. Meist ist es eine Serie, und mit jeder weiteren Niederlage sinkt die Qualität der Entscheidungen. Die Verhaltensökonomie liefert dafür eine Erklärung: Laut Wikipedia zur Verlustaversion ermittelten Kahneman und Tversky, dass Verluste im Schnitt etwa 2,25-mal so stark gewichtet werden wie gleich hohe Gewinne. Wer im Minus steht, will dieses Gefühl loswerden, und genau dieser Impuls treibt Trader in zu große und zu viele Trades.
Deshalb arbeiten wir mit festen Regeln, die vor dem Handelstag feststehen:
- Nach einem Stop-Loss: fünf Minuten Pause, kein direkter Folgetrade. Raus aus dem kleinen Zeitfenster und den Marktkontext neu prüfen.
- Nach drei Verlusttrades: Der Handelstag ist beendet. Plattform schließen und in die Nachbereitung gehen.
- Nach drei Verlusttagen in Folge: Den vierten Tag handelst du nicht. Die Versuchung, drei Tage Verlust an einem Tag zurückzuholen, ist zu groß.
- Während der Serie: Positionsgröße deutlich reduzieren, etwa vom Mini- auf den Micro-Kontrakt.
- Nach der Serie: Verlusttrades im Journal einzeln aufarbeiten und trennen: War es ein sauber gehandeltes Setup, das nicht aufging, oder ein Regelverstoß?
Erst wenn deine Ergebnisse über mehrere Wochen wieder stabil sind, erhöhst du die Positionsgröße. Für einen echten Skalierungsschritt setzen wir mindestens zwei Monate konstante Profitabilität voraus. Wie du den Impuls zum Zurückholen erkennst und unterbrichst, beschreiben wir ausführlich im Beitrag zum Revenge Trading.
Normaler Drawdown oder kaputtes System?
Drawdowns gehören auch bei profitablen Tradern dazu. Märkte wechseln zwischen Phasen, und ein Ansatz, der in einer Trendphase gut läuft, tut sich in einer zähen Seitwärtsphase schwer. Bis ein tieferer Drawdown aufgeholt ist, vergehen oft Wochen. Entscheidend ist deshalb, welche Art von Drawdown gerade vor dir liegt.
Ein normaler Drawdown liegt vor, wenn du dich an deinen Handelsplan hältst, die Verluste innerhalb deiner Parameter bleiben und der Ansatz vorher im Backtesting oder in der Evaluierung funktioniert hat. Dann ist die richtige Reaktion Geduld bei kleinerer Positionsgröße.
Warnsignale sehen anders aus: Du bringst plötzlich Neuerungen in deinen Handel, lässt Trades länger laufen oder schneidest Gewinner früh ab, obwohl das nie dein Stil war. Regelbrüche häufen sich, etwa ein überschrittenes Daily Loss Limit. In diesem Fall liegt das Problem bei der Umsetzung, und mehr Trades machen es größer. Gerade kurz vor einer möglichen Auszahlung auf einem Fremdkapital-Konto beobachten wir dieses Muster häufig.
Profis nutzen den maximalen Drawdown übrigens auch als Kennzahl, um Ergebnisse vergleichbar zu machen. Die Calmar Ratio setzt etwa die durchschnittliche Jahresrendite der letzten 36 Monate ins Verhältnis zum maximalen Drawdown im selben Zeitraum. Für dich als Privattrader reicht eine einfachere Version: Notiere neben deinem PnL jeden Monat den tiefsten Rücksetzer vom Hoch und wie lange die Erholung gedauert hat.
Typische Fehler im Drawdown
- Das Daily Loss Limit nach Gefühl setzen: Ein Limit, das nicht aus dem maximalen Drawdown abgeleitet ist, schützt das Konto nur zufällig.
- Die Positionsgröße erhöhen, um schneller aufzuholen: Das ist die Logik des Ruin des Spielers und verlängert den Drawdown fast immer.
- Den Stop-Loss erweitern, weil der Trade gleich drehen muss: Eine Position, deren Setup ungültig ist, gehört geschlossen.
- Die Regeln des Fremdkapital-Anbieters nur überfliegen: Wer Live-Trailing und End-of-Day-Drawdown verwechselt, verliert Konten mit Trades, die im Plus waren.
- Nach der Serie sofort voll weitermachen: Selbstvertrauen baust du über mehrere stabile Wochen mit kleiner Größe wieder auf.
Wie Emotionen solche Entscheidungen steuern und was du dagegen tun kannst, vertiefen wir im Artikel zur Trading-Psychologie. Die Funktionsweise von Stop-Orders erklärt Wikipedia beim Orderzusatz, einschließlich der Kritik, dass Kurse an naheliegenden Stop-Loss-Marken kurz einbrechen und sich danach schnell erholen können. Für dich heißt das: Setze den Stop dort, wo dein Setup ungültig ist, und kalkuliere ihn in die Positionsgröße ein.
Fazit
Drawdowns gehören zum Trading, und gutes Drawdown Trading heißt, sie im Voraus zu planen. Leite dein Daily Loss Limit aus dem maximalen Drawdown ab, damit du mindestens vier bis fünf schwache Tage überstehst, und berechne die Positionsgröße so, dass rund 20 Verlusttrades in Folge das Konto nicht beenden. Kenne bei Fremdkapital die Art des Trailing Drawdowns, bevor du den ersten Trade setzt. Und behandle eine Verlustserie mit festen Pausen und kleinerer Größe, weil jeder große Rücksetzer überproportional viel Gewinn kostet, bis er aufgeholt ist.
Wie wir Risikomanagement, Positionsgröße und den Umgang mit Verlustphasen Schritt für Schritt trainieren, ist fester Teil unserer Daytrading-Ausbildung. Wie Profis in Verlustphasen konkret handeln, erlebst du in der Mastermind im direkten Mentoring. Weitere Begriffe rund um das Thema findest du im Lexikon unter Risikomanagement.
Quellen & weiterführende Links
- Wikipedia: Drawdown (economics): Definition von Drawdown, maximalem Drawdown und Drawdown-Dauer
- Wikipedia: Proprietary trading: Risikoregeln von Prop-Firmen mit maximalen Drawdowns und Verlustschwellen
- Wikipedia: Ruin des Spielers: Verlust des letzten Spielkapitals und die letzte Verlustwette
- Wikipedia: Verlustaversion: Gewichtung von Verlusten nach Kahneman und Tversky
- CME Group: Micro E-mini Nasdaq-100 Contract Specs: Kontraktgröße und Mindest-Tick des MNQ
- Wikipedia: Calmar ratio: maximaler Drawdown als Kennzahl im Performance-Vergleich
- Wikipedia: Orderzusatz: Funktionsweise und Kritik von Stop-Loss-Aufträgen
- Traivend Trading-Lexikon: Drawdown




