DAX-Future (FDAX)
Trading Lexikon
Der DAX-Future ist der Terminkontrakt auf den deutschen Leitindex DAX 40 und läuft an der Eurex unter dem Kürzel FDAX. Wer im deutschsprachigen Raum über Index-Trading spricht, meint fast immer dieses Instrument. Was dabei oft untergeht: Der FDAX ist ein großer Kontrakt mit 25 Euro je Indexpunkt und damit für viele Einsteiger schlicht zu groß. In diesem Eintrag findest du die Kontraktdaten aus erster Hand, die Abrechnungsmechanik und eine ehrliche Einordnung, wann sich der FDAX lohnt und wann nicht.
Kurzdefinition
Ein DAX-Future ist ein standardisierter Terminkontrakt, der Käufer und Verkäufer auf einen bestimmten Stand des DAX 40 zu einem festen zukünftigen Termin festlegt. Erfüllt wird ausschließlich per Barausgleich, eine Lieferung von Aktien findet nicht statt. Gehandelt wird der Kontrakt an der Eurex, die Produkt-ISIN lautet DE0008469594. Eingeführt wurde er am 23. November 1990 an der damaligen Deutschen Terminbörse.
Die allgemeine Funktionsweise dieser Instrumentenklasse erklären wir im Eintrag Futures, den Aufbau eines einzelnen Kontrakts unter Futures-Kontrakt.
Kontraktspezifikationen des FDAX
Die folgenden Werte stammen direkt aus den Eurex-Kontraktspezifikationen:
- Basiswert: DAX 40, Basiswert-ISIN DE0008469008
- Kontraktwert: 25 Euro je Indexpunkt
- Minimale Preisveränderung: 1 Punkt, entspricht 25 Euro
- Währung: Euro
- Erfüllung: Barausgleich, fällig am ersten Börsentag nach dem Schlussabrechnungstag
- Laufzeiten: die zwölf nächsten Quartalsmonate aus dem Zyklus März, Juni, September, Dezember, also bis zu 36 Monate im Voraus. Liquide ist praktisch nur der jeweils nächste Fälligkeitsmonat.
- Mindestgröße für Block Trades: 250 Kontrakte
Was das in Euro bedeutet, zeigt eine einfache Rechnung: Steht der DAX bei 24.000 Punkten, kontrolliert ein einziger FDAX einen Nominalwert von 24.000 × 25 Euro = 600.000 Euro. Eine Bewegung von 100 Punkten, die der DAX an einem normalen Handelstag mehrfach macht, bewegt dein Konto um 2.500 Euro pro Kontrakt. In beide Richtungen.
Verfall, Abrechnung und Rollover
Letzter Handelstag und Schlussabrechnungstag fallen beim FDAX zusammen. Es ist der dritte Freitag des Fälligkeitsmonats, sofern dieser ein Börsentag ist, andernfalls der davorliegende Börsentag. Der Handel im fälligen Kontrakt endet an diesem Tag bereits zu Beginn der Aufrufphase der untertägigen Xetra-Auktion um 13:00 Uhr MEZ. Aus dieser Auktion ergibt sich der Schlussabrechnungspreis.
Weil an denselben Terminen auch Index- und Aktienoptionen verfallen, spricht der Markt vom dreifachen Hexensabbat. Die Bewegungen an diesen Tagen sind häufig weniger sauber als sonst.
Während der Laufzeit wird täglich abgerechnet. Als täglicher Abrechnungspreis dient der volumengewichtete Durchschnitt aller Geschäfte in der Minute vor 17:30 Uhr MEZ, sofern in diesem Zeitraum mehr als fünf Geschäfte zustande gekommen sind. Gewinne und Verluste landen also nicht erst am Ende auf dem Konto, sondern börsentäglich.
Rund alle drei Monate wandert die Liquidität vom auslaufenden in den nächsten Kontrakt. Dieser Kontraktwechsel zieht sich über ein bis zwei Wochen und ist eine eigene Marktphase: Das Orderbuch wird unsauber, die Ranges schrumpfen, Fakeouts und Stop-Runs häufen sich. Wir bei Traivend behandeln die Rollover-Woche als Phase mit reduzierter Positionsgröße oder ganz ohne Trades und arbeiten in der Chartsoftware mit dem Continuous-Kontrakt, der automatisch den volumenstärksten Kontrakt zieht.
Handelszeiten an der Eurex
Der FDAX ist deutlich länger handelbar als der DAX-Index selbst. Laut Eurex beginnt das Pre-Trading um 02:00 Uhr MEZ, der fortlaufende Handel läuft von 02:10 bis 22:00 Uhr MEZ, danach folgt die Post-Trading-Phase bis 22:25 Uhr. Am letzten Handelstag endet der Handel im fälligen Kontrakt abweichend um 13:00 Uhr MEZ.
Handelbar ist er damit fast rund um die Uhr, sinnvoll handelbar nicht. Die relevanten Bewegungen im DAX entstehen rund um die europäische Session: Das Frankfurt-Open ab 08:00 Uhr ist der Übergang aus der Asia-Session, der stärkste Volumenanstieg folgt eine Stunde später mit dem London-Open um 09:00 Uhr. Das zweite Fenster liegt am Nachmittag, wenn die US-Börsen um 15:30 Uhr MEZ öffnen. Die Liquidität konzentriert sich auf genau diese Fenster. Außerhalb davon ist das Orderbuch dünn, und ein dünnes Orderbuch bewegt sich schon bei wenigen Market Orders sprunghaft. Genau dort entsteht die Slippage, die viele Einsteiger dem Instrument anlasten statt ihrer Handelszeit.
Margin und Hebel
Für eine FDAX-Position hinterlegst du keine 600.000 Euro, sondern eine Sicherheitsleistung. Eurex Clearing setzt diese Initial Margin risikobasiert fest und passt sie bei steigender Volatilität an. Als Größenordnung liegt sie bei Index-Futures üblicherweise bei etwa 3 bis 12 Prozent des Nominalwerts.
Wichtig ist eine Unterscheidung, die wir in der Ausbildung von Anfang an durchziehen. Die Overnight Margin ist der Satz, den du hinterlegen musst, wenn du eine Position über den Handelsschluss hinaus hältst. Die Day Trading Margin, also die Intraday-Margin deines Brokers, gilt nur für Positionen, die du innerhalb derselben Session wieder schließt, und liegt darunter. Sie ist keine Börsenvorgabe, sondern eine Kondition des Brokers: Er kann sie ändern, und er stellt Positionen, die zum Session-Ende noch offen sind und die Overnight-Anforderung nicht decken, selbst glatt. Wer im Intraday-Handel mit der kleineren Zahl kalkuliert und dann doch über Nacht hält, steht am nächsten Morgen unterfinanziert da. Verbindlich sind immer die aktuellen Sätze deines Brokers beziehungsweise der Eurex-Margin-Rechner, nie eine Zahl aus einem Blogartikel.
Die Hebelwirkung ist die eigentliche Gefahr am FDAX, nicht der Kontrakt selbst. Was uns in der Ausbildung am häufigsten begegnet, ist nicht ein falsches Setup, sondern eine Positionsgröße, die zum Konto nicht passt: Nach einer Gewinnserie wird aufgestockt, der Puffer schrumpft, und eine normale Tagesbewegung reicht für den Margin Call. Mehr dazu im Eintrag Futures-Margin.
FDAX, Mini-DAX und Micro-DAX
Die Eurex bietet den DAX-Kontrakt in drei Größen an. Der Unterschied liegt allein im Punktwert, die Marktlogik dahinter ist identisch:
- DAX-Future (FDAX): 25 Euro je Punkt, minimale Preisveränderung 1 Punkt = 25 Euro
- Mini-DAX-Future (FDXM): 5 Euro je Punkt, 1 Punkt = 5 Euro, also ein Fünftel des FDAX
- Micro-DAX-Future (FDXS): 1 Euro je Punkt, 1 Punkt = 1 Euro, ein Fünfundzwanzigstel des FDAX
Für den Einstieg führt der Weg fast immer über die kleineren Kontrakte. Dasselbe Prinzip nutzen wir auf der US-Seite mit den Micro-Kontrakten: dieselbe Marktstruktur, dieselben Setups, ein Bruchteil des Risikos pro Tick. Der Preis dafür sind im Verhältnis höhere Gebühren je gehandeltem Punkt.
DAX-Future oder CFD auf den DAX
Beide Wege bilden denselben Index ab, sind aber grundverschieden konstruiert:
- Gegenpartei: Beim Future steht eine Clearingstelle dazwischen, beim CFD handelst du gegen den Emittenten. Damit entfällt beim Future das Emittentenrisiko.
- Preisbildung: Der Future-Preis entsteht im zentralen Orderbuch der Börse. Der CFD-Kurs wird vom Anbieter gestellt und kann vom Original abweichen.
- Datenqualität: Nur der Future liefert ein echtes Level-2-Orderbuch und belastbare Volumendaten. Ohne die ist Orderflow-Analyse nicht möglich.
- Standardisierung: Der Future hat feste Kontraktgrößen und einen Verfallstermin, der CFD läuft unbegrenzt, dafür mit laufenden Finanzierungskosten.
- Positionsgröße: CFDs erlauben feinere Größen, Futures nur ganze Kontrakte, dafür inzwischen bis hinunter zum Micro-Kontrakt.
Wir arbeiten aus einem einfachen Grund mit Futures: Sie geben den Takt vor, der CFD folgt ihm nur. Wer den abgeleiteten Markt handelt, liest ein Abbild statt des Originals.
Unsere Einordnung: schöner Markt, aber nicht unser Hauptmarkt
Der DAX ist ein interessanter Markt, und der FDAX ist ein sauber konstruierter Kontrakt. Trotzdem verbringen wir bei Traivend den weit überwiegenden Teil unserer Handelszeit an der CME, vor allem im Nasdaq (NQ) und im S&P 500 (ES). Die Gründe sind praktischer Natur:
- Volumen: Das Handelsvolumen im FDAX ist über die Jahre zurückgegangen. Dünnere Bücher bedeuten mehr Slippage, gerade bei schnellen Einstiegen.
- Marktcharakter: Der DAX ist eher ein Intraday- und Trendfolgemarkt als ein Scalping-Markt. Die Volatilität ist phasenweise zu gering für sehr kurze Haltedauern. Wie wir das kurzfristige Handeln von Index-Futures angehen, beschreiben wir separat.
- Kosten: Der Eurex-Datenfeed ist deutlich teurer als der CME-Feed, was bei einem kleinen Konto spürbar ins Gewicht fällt.
Das ist keine Absage an den FDAX. Wer in europäischer Zeit handelt und den Markt kennt, findet dort belastbare Bewegungen. Es ist eine Einordnung: Die Marktmechanik, die wir lehren, funktioniert im DAX genauso wie im ES oder NQ. Warum wir für den Einstieg trotzdem die US-Kontrakte bevorzugen, steht ausführlich in unserem Leitfaden zum Daytrading lernen.
Typische Fehler beim FDAX-Handel
- Kontraktgröße ignorieren: Mit 25 Euro je Punkt ist ein einzelner FDAX für die meisten Privatkonten zu groß. Der Mini- oder Micro-Kontrakt ist kein Anfängerkompromiss, sondern die passende Wahl.
- Nachts handeln, weil es geht: Die langen Handelszeiten verleiten dazu, in dünnen Phasen zu traden. Dort funktionieren weder Orderbuch noch Stop-Loss-Platzierung zuverlässig.
- Rollover verschlafen: Wer während des Kontraktwechsels mit unveränderter Größe weiterhandelt, kämpft gegen eine Marktphase, die auch erfahrene Trader ausbremst.
- Day Trading Margin als Kapitalbedarf lesen: Die reduzierte Intraday-Anforderung sagt nichts darüber, ob dein Konto eine normale Tagesbewegung des Kontrakts trägt.
- Hebel mit Chance verwechseln: Die niedrige Margin erlaubt große Positionen. Sie macht sie nicht sinnvoll.
Häufige Fragen zum DAX-Future
Wie viel ist ein Punkt im DAX-Future wert? Im FDAX 25 Euro, im Mini-DAX-Future 5 Euro, im Micro-DAX-Future 1 Euro. Die minimale Preisveränderung beträgt jeweils einen Indexpunkt.
Wann verfällt der DAX-Future? Am dritten Freitag des Fälligkeitsmonats aus dem Zyklus März, Juni, September, Dezember. Ist dieser Freitag kein Börsentag, gilt der davorliegende Börsentag. Der Handel im fälligen Kontrakt endet um 13:00 Uhr MEZ.
Warum notiert der DAX-Future anders als der DAX? Der Future enthält die Finanzierungskosten bis zum Verfall, die sogenannten Cost of Carry, und notiert deshalb in der Regel etwas höher als der Index. Zum Verfallstermin laufen beide Werte zusammen.
Wie viel Kapital brauche ich für einen DAX-Future? Die Initial Margin liegt bei Index-Futures größenordnungsmäßig bei 3 bis 12 Prozent des Nominalwerts und wird von Eurex Clearing risikobasiert festgelegt. Für Positionen, die du über Nacht hältst, gilt die Overnight Margin, innerhalb der Session die niedrigere Day Trading Margin deines Brokers. Entscheidend ist aber nicht die Margin, sondern ob dein Konto eine normale Tagesbewegung dieses Kontrakts aushält.
Kann ich den DAX-Future am Wochenende handeln? Nein. An Wochenenden findet an der Eurex kein Handel statt. Kurse, die am Wochenende angezeigt werden, stammen von außerbörslichen Anbietern und sind keine Eurex-Preise.
Verwandte Einträge und Quellen
Verwandte Begriffe: Futures, Futures-Kontrakt, Futures-Margin, CFD-Handel. Weitere Begriffe im Trading-Lexikon.
Quellen: Eurex – DAX-Futures (FDAX), Kontraktspezifikationen und Handelszeiten; Wikipedia – DAX-Future.
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